Rollingstone Interview

KIEFER INTERVIEW / ROLLING STONE MAGAZIN

Zur Verfügung gestellt von caipiri ( Forum Member) / übersetzt von Hoppel

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Kiefer Sutherland – Dunkles Herz

Kiefer Sutherland freut sich schon ziemlich auf den Tag, an dem die Schöpfer der nervenzerfetzenden Fox-Fernseh- Show 24 seinem Jack Bauer das antun, was sie so vielen anderen angetan haben: ihn töten, brutal aber mit wenigen Tränen. „Verstehen sie mich nicht falsch“, sagt er. „Ich liebe das, was ich tue.“ Aber er ist 39 Jahre alt, ein bisschen eingepfercht und ziemlich müde. Alles, was er von den letzten fünf Jahren hatte und zwar zehn Monate in jedem Jahr, waren endlose 14-Stunden-Arbeitstage an der Show, mit dem Revolver in der Hand, zusammengekniffenen Augen, einer Stimme mit äußerst unglaublicher Intensität, wobei er die Welt rettete mit Methoden, die vielleicht nicht in Ordnung waren, aber niemals falsch sind. Er hat keine Freundin in seinem Leben, keine Zuneigung oder Entspannung dieser Art und Weise. Manchmal fühlt er sich wirklich gefangen, wie in einem Käfig. Und dann, als logische Konsequenz, fällt er gelegentlich in die Scotch-Flasche und macht sich selbst zum Narren.

„Ich erreiche dann einen Punkt, an dem ich das tue, was ich eben tue .... na und“, sagt er an einem Tag in Los Angeles. Dort lebt er im ziemlich schäbigen Stadtteil Silver Lake, im weiten, offenen Loft einer früheren Eisengießerei. „Es ist egoistisch und selbstvergessen und ziemlich gefährlich, zu denken, wenn man wirklich hart arbeitet, sollte man sich selbst belohnen, indem man ausgeht und sich zum Affen macht. Ich sollte morgens aufmachen, ohne zu denken: „Oh, nein! Wo ist mein Stiefel?“ Oder „Wo bin ich?“ Oder „Hoffentlich hat einer unserer Freunde mein Auto nach Hause gebracht“. Es ist keine sehr kluge Art zu leben, und ich möchte nicht so leben. Aber es ist der Preis, den man zahlen muss.“

Ich hatte einst gelesen, dass Kiefer in der Öffentlichkeit „eine Art falscher, oberflächlicher Freundlichkeit zeigt, die irgendetwas anderes zu verbergen scheint“. Das war auch bei seinem Vater so, dieser über ihm thronenden Schauspielerfigur, dem großen Donald Sutherland, der einst Ganze Äras von Filmen definiert hat, wie z. B. MASH und Klute. Auf jeden Fall sehen sich die beiden ähnlich, mir ihren seltsamen, niedrigen Ohrläppchen, ihren Erdhörnchenbäckchen und ihrem teuflischen Grinsen bei ihrer Arbeit. Was jedoch den Sohn betrifft, so halte ich ihn für überraschend offen, bereit, wild entschlossen über alles zu sprechen, über das man sprechen möchte – seine beiden gescheiterten Ehen, seine unglückliche Verlobung 1991 mit Julia Roberts, seine Abneigung gegen bestimmtes Essen und andere Aufreger, inklusive betrunkenes Angreifen eines Weihnachtsbaumes, seine (früher) Neigung dazu, sich in Bars zu prügeln und der Zeit in seinem Leben, kurz vor „24“, als er sehr schlechte Filme serienmäßig nur wegen des Geldes drehte.

Gerade jetzt, jedoch, führt er mit durch seine geliebte Sammlung von alten Gitarren (eine 59er Les
Paul, eine 67 Telecaster, eine 68ES335 und ca. 55 mehr) und sagte Gitarren-bezogene Dinge wie: „Sehen Sie, diese hat einen Jimmy-Page-Schalter, dadurch habe ich hier eine Doppelspule hier und eine Einzelspule hier und kann alles hierdurch umleiten. Erstaunliche Tonqualität!“

Und dann, einige Augenblick später, nachdem er auf einer seiner Gitarren seidenweich Hendrix-Lieder gespielt hat, sagt er: „Möchten Sie ausgehen? Ich werde mit Ihnen U-Bahn fahren. Auf diese Weise komme ich herum. Wir können so einen Drink nehmen, weil ich nicht trinken und gleichzeitig Auto fahren kann.“

„Können Sie nicht ?“ sagt ich.

„Neeein“, sagt er. „Das wäre schlecht.“

Als Kind wurde er ziemlich herumgeschubst. Gerade in England geboren, wobei sein extravaganter Vater ihn belastete mit dem extravaganten Namen Kiefer William Frederick Dempsey George Rufus Sutherland, schon lebte er in Los Angeles. ER ist drei. Seine Mutter, die kanadische Schauspielerin Shirley Douglas und sein Vater kommen nicht miteinander aus. Tatsächlich hat sein Vater eine Affäre mit Jane Fonda. Die Ehe geht in die Brüche. Seine Mutter geht fort und lässt Kiefer und seine Zwillingsschwester, Rachel, zurück.

Während dieser Zeit entwickelt Kiefer seine erste wirkliche Erinnerung an seinen Vater. Sein Vater, der übermächtige Filmstar, trägt sein Haar lang, wild und durcheinander, mit einem dazu passenden großen Bart. Ein Ledermantel umschließt seine Schultern. Er fährt seinen Sohn zur Vorschule in einem Ferrari, den er in einem Poker-Spiel gewonnen hat. Sein Vater ist „anders“. Die anderen Eltern gucken. Kiefer mag es, wie sie gucken und in seinen Mittzwanzigern wird er sich ähnlich anziehen und ähnliche Blicke auf sich ziehen, jedoch von einem 1970-Porsche 911 aus, nicht einem Ferrari.

Nach 6 Monaten kommt seine Mutter zurück und nimmt ihn schließlich zurück mit nach Kanada. In den nächsten zehn Jahren besucht er 7 verschiedene Schulen und lernt es Freunde zu finden, indem er die anderen Kinder zum Lachen bringt. Er ist unsicher, nervös, ein durchschnittlicher, jedoch kein guter Schüler. Mit 15 schmeißt er die Schule, entschlossen Schauspieler zu werden, trotz der normalen Missbilligung seiner Eltern. Kurz danach ergattert er die Hauptrolle in einem Film über das Erwachsenwerden, The Bay Boy und wird für einen Genie Award nominiert, Kanada's Oscar. Mit einem Scheck über 30.000 $ in seiner Tasche macht er sich auf in das Schauspielerleben New Yorks. Ein Jahr später, fast pleite, zieht er nach L.A. und lebt ein paar Monate lang in seinem 67er Mustang. 1985 bekommt er seine erste Rolle in Hollywood, von Sean Penn: eine kleine Rolle in At Close Range (mit dem besten Reklameschild, das es jemals gab: Wie der Vater, so der Sohn – wie die Hölle“). Das meiste davon endet als Abfall auf dem Boden des Schneideraumes. Zur gleichen Zeit ergattert er eine Rolle in der TV- Show von Steven Spielberg, Amazing Stories, und, wie er gerne sagt: „Wenn Steven Spielberg dich engagiert, so bekommt man daraufhin leicht drei andere Jobs.“. Und so war es, zuerst als Bandenführer in Stand By Me, dann als der ordinärste, charmanteste Vampir, den es jemals gegeben hat in The Lost Boys und als sensibler Cowboy in Young Guns.

Er denkt: „Nun, das ist leicht. Ich bin gut. Und so wird es weitergehen.

Er war 21 Jahre alt. Was sonst sollte er denken?

Was mich jedoch am meisten an diesem Zeitraum in Kiefers Leben interessiert, sind dieses 6 Monate in seiner frühen Kindheit, die er getrennt von seiner Mutter verbracht. Er sagt, es ist nicht schlimm „Für die Mitglieder meiner Familie war es nicht ungewöhnlich, eine Zeitlang weg zu sein“ – aber man denkt doch darüber nach.

Ich frage ihn, ob er weiß, wohin sie ging.?
„Ich war nie ganz sicher“, sagt er. „Ich denke, sie ging für eine Weile nach Kanada zurück.“
So hat er sie also nie danach gefragt. „Und haben sie jemals mit ihrem Vater über seine Affäre mit Jane Fonda gesprochen?“
„Nein“.
„Wie würden sie sich diese Unterhaltung vorstellen?“
„Er würde wahrscheinlich sagen“ ich verliebte mich“. Ich verstehe das. Leute passiert das. Und wenn sie sich verlieben, glauben sie an alles so sehr und leidenschaftlich, an diese Art überhöhter Erfahrung, dass es sehr hart ist, jemanden deswegen zu verurteilen.“

Das ist natürlich das, was der Erwachsene sagt, wenn er auf seine Kindheit zurückblickt. Kiefer sagt nichts darüber, wie sich das Kind gefühlt haben mag und wie diese Gefühle sich auf das Kind im späteren Leben ausgewirkt haben.

Heute lebt er in einer Umgebung, die überwiegend salvadorianisch ist und nachts, als er mit seinem Hund Gassi ging, einem Border collie namens Molly, wurde er schon aufgehalten, indem man einen Revolver an seine Schläfe setzte. Seine Wohnung ist groß, fast ein Viertel Acre, nicht in Räume aufgeteilt, sondern weit offen, mit lediglich einer halbhohen Mauer, die den Schlafbereich abteilt. Indem er mir alles zeigt, sagt er:“ Ich brauchte eine Weile, um mich daran zu gewöhnen, in einer Scheune zu schlafen.“ Zeitweise hat Kiefer ein unaufgeräumtes Leben geführt, aber in seinem Zuhause spürt man einen fast zwanghaften Ordnungssinn. Alles befindet sich an seinem Platz. Sein Bett ist gemacht und sieht frisch bezogen aus! Das Pakete Camel-Zigaretten auf dem Nachttisch liegen ordentlich an der Ecke. Kein schmutziges Geschirr oder Krümel sind in seiner Spüle zu finden. Seine Gitarren-Sammlung ist ordentlich angeordnet, nach Marke und Aussehen.

Seine Ordentlichkeit kommt während einer Diskussion über sein mögliches Versagen als Freund zur Sprache.
„Ich glaube, als Person verlange ich ziemlich viel“, sagt er. „Ich mag Dinge auf bestimmte Art und Weise, vom Pünktlich- bis zum Sauber-Sein. Ich war damals daraufhin nicht flexibel. Ich meine, als ich älter wurde, wurde ich hoffentlich wesentlich flexibler. Aber natürlich lebe ich alleine.

„Ärgert sie Unordnung?“ frage ich.
„Ich habe die 24-Crew eines Abends zum Dinner eingeladen und ich hörte Reiko Aylesworth, die Michelle spielt, sagen: „Es ist so nett, dass er aufgeräumt hat.“ Jemand anderes sagte: „Er hat nicht für dich aufgeräumt, Süße. Es ist hier immer so sauber. Und ihre Antwort war: „Oh“. Es gibt überall, wo wir etwas tun, so viel Unordnung – wenn man seine Umgebung zuhause kontrollieren kann, sollte man es tun.“
„Es ist ein bisschen komisch, hier herein zu kommen“, sage ich.
„Ja“ sagt er, und er sagt es mit einem Lächeln.

Kiefer ist sich nicht sicher, warum 24 so einen großen Erfolg hat – seit 2001, hat es Dutzende von Preisen gewonnen oder war dafür nominiert, war ganz oben auf der Liste der Kritiker und dominierte wegen des Zeit- Formats – obwohl er eine Haupt-Theorie hat: „Die Leute fühlen mit einem Kerl, der in der Falle sitzt und bei einer Sache Erfolg hat und der anderen versagt.“

Es ist oberflächlich zu sagen, aber das trifft wahrscheinlich auch auf Kiefer zu. Ein Problem, zum Beispiel, mit dem Gebundensein an eine Show wie 24 ist dass, während man auf einem bestimmten Niveau Erfolg bei den Mädchen hat – mit dem gelegentlichen One-night-stand usw. – man alles weniger Oberflächliche vergessen kann. Kiefer stöhnt oft und sehr lange über diese Tatsache.

„Ich hatte one-night-stands, aber sie gehen mir gegen den Strich“, sagt er. „Ich bin da viel romantischer. Der Grund, mit jemandem zusammen zu sein, sind die Hoffnung auf und der Wunsch nach Bindung. Sonst könnte man auch nach Hause gehen und onanieren. Tatsächlich gibt es jemanden, den ich wirklich mag. Aber es sieht so aus dass alles was ich tue, arbeiten und schlafen ist. Wenn man nur darauf aus ist, ist es fein. Aber wenn man hofft, sich zu verlieben, ist man angeschmiert. Es wird nicht passieren. Man wird es nicht schaffen und sich trennen.“
„Waren sie jemals beim Psychiater?“ frage ich ihn, einfach ins Blaue hinein.
„Oh yeah“, sagt er sofort. „Beim ersten Mal war ich sieben, weil meine Mutter Angst hatte ich könnte durch die Auflösung unserer Familie Schaden genommen haben“
„Und, haben sie?“
„Ich glaube nicht. Andre Leute mögen das anders sehen. Aber ich selbst glaube das nicht.“

Und doch scheint er davon getrieben zu sein, das erfolgreich zu Ende zu bringen, was seine Eltern nicht konnten und wie sie, ist er jedesmal gescheitert. Er heiratete zum ersten Mal als er 20 war die Schauspielerin Camelia Kath – sie haben eine Tochter, Sarah Jude, jetzt 18, aber die Ehe hielt weniger als 2 Jahre und ging angeblich dadurch auseinander, weil er zuviel in Bars und in den Armen anderer Frauen war. Er versuchte es noch einmal 1996, mit dem früheren Model Kelly Winn, trennte sich jedoch nach vier Jahren von ihr, aus den gleichen Gründen. Und zwischen diesen beiden Verbindungen war seine fehlgeschlagene Verlobung mit Julia Robert, die er beim Dreh von Flatliners 1990 traf. Sie waren DAS Hollywood-Paar, Brad und Angelina der damaligen Zeit. Drei Tage vor ihrer Hochzeit sagte sie diese jedoch ab und floh nach Europa mit Kiefers damaligem besten Freund, Jason Patric. Sie trat ein Rauschen im Blätterwald der grausigen Klatschpresse los – angeblich hat Kiefer sie mit einer Stripperin betrogen, was er leugnet. So war es sicher, dass er in allen folgenden Geschichten über ihn seinen Kommentar zu diesem großen Durcheinander abgeben musste.

„Ich kann Julia nur dafür loben, dass sie sogar in der letzten Minute gesehen hat, wie jung und dumm wir damals waren, so schmerzlich und schwierig das auch war“, sagt er eines Tages zu mir. „Gott sei Dank hat sie es gesehen“.
„Haben sie Jason Patric verziehen?“
„Darum geht es nicht. Wir waren Freunde und ich bin überrascht, dass ich nie einen Anruf von ihm bekam, in dem er mir sagte, ich habe mich in Dingsbums verliebt. Stattdessen hörte ich es von einem Fremden.
„Hat Ihr Vater irgendeinen Rat angeboten?“
„Ich glaube, er sagte nur: „Oh, mein Sohn ...“
Seitdem hat er Roberts nicht wiedergesehen und ihr auch nicht zur Geburt ihrer Zwillinge gratuliert.
Es wurde berichtet, dass sie pikiert darüber ist. Warum sollte sie aber? Was geschehen ist, geschah vor 15 Jahren. Man entwickelt sich weiter. Kiefer seinerseits sagt, er glaubt nicht dass er jemals wieder daran denken wird, zum Traualtar zu gehen.

Was mit seiner Filmkarriere nach dem Julia-Flop geschah, ist immer noch seltsam. Er war großartig als auf die Bibel pochender Marine in A few good men (1992), als Verrückter in A time to Kill (1996) und als Serienmörder in Freeway (1996). Aber man konnte ihn auch in einigem Quatsch sehen, wie The Cowboy Way (1994), nicht zu erwähnen eine Menge äußerster Schrott, gedreht nur wegen des Geldes. Die Namen möchten er nicht enthüllen (Renegades? Chicago Joe and the Showgirl?). Verwirrt und angewidert von seiner eigenen Käuflichkeit, zog er sich auf eine Ranch zurück, die er in Kalifornien Santa Ynez Valley kaufte. Seltsamerweise begann er mit Lassowerfen und entwickelte zusammen mit seinem Partner, einem Profi-Lassowerfer mit Namen John English, seine Fähigkeiten so weit, dass er im Rodeo-Zirkus mitreisen und eine Anzahl von Wettbewerben gewinnen konnte (und sich dabei all seine Finger brach). Dann erhielt er 2000 den Anruf seinen Freundes Stephen Hopkins, eines britischen Regisseurs, der am Pilotfilm für eine experimentelle Echtzeit- Show namens 24 arbeitete. Ob er an der Hauptrolle interessiert wäre? Kiefer hatte keine Angst, zu versagen. Falls der Pilotfilm durchfiel, würde ihn niemand sehen. Falls nicht, hätte er einen Job für die nächsten ein oder zwei Jahre.
„Aber das war auch so eine Sache“, sagt er. „Als 24 ein Hit wurde, sagten die Leute dinge wie „Comeback“ und „Auferstehung von den Toten“. Zuerst war es wie: „Auferstanden von den verdammten Toten? Was zur Hölle bedeutet das?“Aber manchmal will dein Verstand nicht begreifen, in was für Schwierigkeiten du steckst.

Nun hat er viel mehr vor als die Show. Da ist sein neuer Film, The Sentinel, mit Michael Douglas, in dem er einen Secret Service Agenten spielt, der in einen Plan zur Ermordung des US-Präsidenten verwickelt wird. Außerdem startet er ein Plattenlabel, Ironworks Music, mit seinem Freund Jude Cole. Dies hat gerade eine Platte von der ersten Band unter Vertrag herausgebracht, Rocco deLuca and the Burden. Und dann hat er natürlich immer noch die Schwierigkeiten, wenn er versucht Dampf abzulassen und Ausgleich in einer Flasche Whisky zu finden.

Die Schwierigkeit war immer da, in der einen oder anderen Form. In der Vergangenheit gab es Festnahmen wegen Trunkenheit am Steuer und witzige Episoden mit anderen, die aus dem gleichen Grund festgenommen wurde, wie die eine mit Schauspieler Gary Oldmann 1991. Kiefer fängt an zu lachen und sagt: „Sie legten ihm Handschellen an und er war auf den Knien, gerade vor der Frontscheibe meines Autos. Er hielt den Kopf runter, sah hoch und sagte: „Ok. Nächstes Mal gehen wir zu lieber zum Lunch.“ Das war die coolste Zeile, die ich jemals hörte. Ich war so gerne mit ihm zusammen. Aber das ist lange her.“
Er war auch in eine Anzahl von Bar-Schlägereien verwickelt, inklusive der einen, wo jemand seine Frau beleidigte („er leckt ihr die Füße“) und er drehte ein bisschen durch. „Ich schlug zu, immer und immer wieder. „Hör bloß nicht auf, dieser Kerl soll nicht aufstehen.“ Ich fühlte mich danach schrecklich. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte, dass das Leben zu kurz ist, um sich so zu benehmen.“
Aber meistens ist Kiefer dafür bekannt, dass er wenn er betrunken ist alles tut, um ein Lachen zu provozieren. Einmal warf er sich in voller Montur in den Pool des Beverly Hills Hotels, damit man über ihn lacht. Ein anderes Mal, gemäß der Klatschpresse, kippte er acht Scotch—Whiskeys, zog sein Hemd aus, wirbelte oben ohne herum und vollführte einen Tanz auf dem Schoß eines Mannes.
Jedoch passierte die sinnbildlichste Episode letztes Weihnachtsfest in Londons Strand Palace Hotel.
„Nach einem Marathon-Saufgelage mit Kumpels“, schrieb der Sunday Mirror“ fiel Kiefer ein hoher Weihnachtsbaum ins Auge. „Ich hasse diesen Mist-Weihnachtsbaum“, erklärte er. „Der Baum muss fallen.“ Kiefer warnte das Personal: „Ich kipp ihn um – kann ich dafür bezahlen?“ Ein Angestellter antwortete: Ich bin absolut sicher, sie können, Sirr. „
Dann war Kiefer sich in die norwegische Fichte, so dass Schmuck und Kerzen auf den Boden fielen. Er pulte Tannennadeln aus seinen Haaren und dem T-Shirt und sagte zu einem Hotel-Angestellten: „Oh, es tut mir leid, sie sind so cool. Dieses verdammte Hotel ist Klasse. „
Kiefer sagt, dieser Bericht stimmt genau und bestreitet nur die Zitate. „Ich sagte nichts“, sagt er „und das ist was so witzig ist. Es war ein Witz, der jemanden zum Lachen bringen sollte. Und dem Baum passierte nichts. Überhaupt nichts. !

„Ist das Trinken ihr einziges selbstzerstörerisches Verhalten?“ frage ich ihn und weiß die Antwort schon.
„Es hat mir am meisten Kummer gemacht.“
„Wegen der Dinge, die sie tun, wenn sie betrunken sind oder weil sie ein Alkoholproblem haben?“

Er überlegt nur eine Sekunde. „Ich muss sagen, beides ein bißchen. Und da ich eine Person bin, die in der Öffentlichkeit steht, habe ich meine Mutter, meine Familie und vor allen Dingen meine Tochter in Verlegenheit gebracht. Das war das größte Problem für mich. Ich nehme ein paar Drinks und mache mir nicht so viele Gedanken über morgen oder über gestern. Ich lebe in diesem Moment und mir ist alles anderes egal und das ist es eben. Das hört sich an wie aus dem Buch für Alkoholiker. Und ich bin nicht dumm. Ich weiß, es ist meine Schuld, meistens möchte ich jemanden zum Lachen bringen. Und dann, am nächsten Tag, denke ich mir: „Oh Gott, als mich das bitte nie wieder tun. „
Warum tue ich es dann immer wieder? Und wieder? Und wieder?
Er läßt die Frage im Raum stehen, er scheint wirklich aufgebracht. Ich sage ihm, es könnte das gleiche Benehmen als Erwachsener sein, das er als Kind an den Tag legt, als er jedes Jahr neue Freunde finden mußte und sie zum Lachen brachte.
„Ja“, sagt er nachdenklich. „Aber man möchte die Vergangenheit in dem Punkt überwinden, nicht wahr? Man möchte sich weiterentwickeln.

Und das ist wiederum das tolle an Kiefer: Er versucht nicht vor der Öffentlichkeit seine kleine Besonderheiten, Macken und Widersprüche zu verstecken. Er sagt Sachen wie: „Der letzte Film, bei dem ich weinte? Oh Gott. Oh, ich werde ehrlich zu Ihnen sein. Oh Gott, ich weiß nicht, ob ich das kann. Oh, ich glaube es war „Tatsächlich Liebe“. Ja. Ich bin genauso wie all die anderen“
Er hat diese Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel und sagt“ Avocados mochte ich nie, genauso wenig wie Käse und bei glibberigen Eiern möchte ich kotzen.“ Er sagt, dass er seinen Vater manchmal „dad“ nennt, aber meistens nennt er ihn „Hey“, wie z.B. „Hey, was machst du gerade?“

Er erzählt gern diese Geschichte über seinen Vater: „Kurz vor der Scheidung als wir kein Geld hatten, hatten ein Paar Hosen von ihm ein Loch. Aber da meine Mutter streng ist und er sie nicht fragen mochte, ob sie sie näht, malte er seinen Po beim Riss in der Hose schwarz an. Das ist seine Art von Humor.“
Dann sag er dass er, wie sein Vater vor ihm, oft keine Unterwäsche trägt.
Er hat niemals versucht, mit dem Rauchen aufzuhören.
Beim ersten Tattoo musste er sich zwischen einem Chinesen, der für Stärke steht, entscheiden und einer Mickey-Mouse mit einem Raumfahrerhelm. Er entschied sich für das erste.
Er hört einmal, dass einige 24-Fans, die zur Uni gehen, ein Spiel entwickelt hatten, bei dem sie jedesmal, wenn Jack Bauer „Damn it“, sagt, einen Schnaps trinken. In der Szene einer Episode hat er dann ganz spontan dreimal hintereinander „Damn it“ gesagt, „Bumbumbum. Und das war nur eine Szene. Am Ende waren da 14 Damn its. Und ich sah die Studenten vor mir, die sagten. „Oh, Scheiße!“.
Er hat in seiner Wohnung nur zwei Spiegel. „Ich dachte immer, dass ich ein anderes Bild von meinem Aussehen habe als das, wie ich wirklich bin. Ich hatte damit ein großes Problem, als ich Stand By Me sah. Ich dachte ich hätte den Film vermasselt. Ich wollte, dass mein Charakter eine gemeine, böse Version von James Dean ist. Und ich sah überhaupt nicht so aus. Das hat mir immer zu schaffen gemacht. Deshalb gucke ich nicht gerne in Spiegel.“
Er nennt sein Zuhause die Höhle und sagt Dinge wie: „Ich möchte nicht immer in der Höhle leben.“

An dem Abend, als Kiefer und ich einige Bars besuchten – er bevorzugt nicht glamouröse Bars, eng und ruhig, hauptsächlich mit Einheimischen besetzt, wird er in jeder mit dem gleichen Spruch begrüßt. „Wo waren Sie so lange?" wollen die Barkeeper wissen. Er sagt etwas von seinem engen Drehplan für 24 und bestellt J&B, unverdünnt, mit einer Colt zum Hinterherspülen. In den letzten fünf Jahren, war er vor allem von dem gleichen Leuten umgeben, hauptsächlich die 24 Crew. Sie kennen ihn so gut, wenn er zu ihnen spricht, kann er es in Kürzeln wie bei alten Freunden tun. Er kann dabei den ersten Gedanken aussprechen, der ihm in den Sinn kommt. Aber bei mir, muss er ein bisschen mehr überlegen, und er sagt, das gefällt ihm.
Er redet gern über das erste Jahr in L.A., als er in einem Haus lebte, das Sarah Jessica Parker gemietet hatte, zusammen mit den anderen Schauspielern Billy Zane und Robert Downey Jr. Ich dachte darüber nach, wie jung wir waren“, sagt er. „Einige von uns gingen an einem Abend in einen Strip-Club. Als wir in dieses Lokal gingen, trugen wir alle einen Trenchcoat, mitten im Sommer, in Los Angeles. Wir dachten, das tut man, wenn man in einen Stripclub geht. Wir lachten, aber keiner zog den Trenchcoat aus.“
Er schüttelt glücklich seinen Kopf.
„Ich erinnere mich an das erste Mädchen, mit dem ich schlief“, sagt er weiter. „Sie war 17, ich 13. Ich erinnere mich daran, als ich ihr Haus verließ, nachdem wir es sieben Mal getan hatten, dass ich zur Bushaltestelle hüpfte und sang „Ich habe es sieben Mal getan.“ Und ich hüpfte wirklich.“
Er schüttelt wieder seinen Kopf.
Außerhalb der letzten Bar an diesem Abend, sagt der Rausschmeißer zu ihm“ Es ist gut, dass sie noch nicht gegangen sind. Diese Mädchen haben mich beauftragt, sie zu verhauen, wenn sie gehen, bevor sie mit Ihnen gesprochen haben.“
Kiefer hebt seine Hände „Bitte nicht“ sagt er lachend.
Die Mädchen, zwei Dumpfbacken mit Namen Jennifer und Nicky, stolpern heraus und bringen Kiefer dazu, für Fotos mit ihnen zu posieren. „Danke“, sagt er hinterher. „Gott segne eure Herzen.“
Jeder sieht glücklich aus. Einer von Kiefers Lieblingsdialogen kommt aus dem Film Flatliners. Auf dem Weg zur U-Bahn sagt er ihn. Er sagt: „Am Ende werden wir alle wissen, was wir getan haben.“ Und dann, vielleicht für eine gute Balance, sagt er ihn nochmal.

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